Reden wir darüber

Wenn die Diktatur wiederkommt, dann wird sie sagen: "Danke Demokratie, dass Du für mich die optimalen Voraussetzungen geschaffen hast." [Thomas Köhler]

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Was für ein Jahr – 2013 im Blog

Ehrlich gesagt, es ist der erste Jahresrückblick den ich hier schreibe.

Obwohl sich der tiefere Sinn eines Rückblicks mir nicht erschließt mache ich es einfach mal.

Bei der Durchsicht meiner Beiträge habe ich bemerkt, dass sich einige Themen durch das ganze Jahr ziehen. Manchmal hatte ich das schon vergessen. Also nehme ich mal als Sinn eines Jahresrückblicks die eigene Rück-Erinnerung. Außerdem kann ich euch damit belästigen. Das Blog ist für mich wahrscheinlich wichtiger als für euch. Ich merke, dass ich mich auch ohne Resonanz mit den Themen über die ich schreibe intensiv auseinandersetze.

Im Januar gab es da zum Beispiel einen Artikel zur Deutschen Sprache. Wie immer ging es um den politisch korrekten Sprachgebrauch. Änderungen in alter Literatur lehne ich nach wie vor ab. Den vorläufig letzten Artikel dazu schrieb ich im August, betreffs des Zigeunerschnitzels. Auch meine Diskussionen mit einem mir gut bekannten Kulturwissenschaftler zur Notwendigkeit dieser Themen änderten nicht wirklich grundlegend etwas an meiner Einstellung zum Thema. Ich begann auch Artikel zum Umgang mit Homosexualität zu schreiben. Nicht zu der sexuellen Orientierung als solcher sondern zu unserem Umgang mit Schwulen und Lesben. Das zog sich durch das ganze Jahr bis in den Dezember. Allerdings da nur in einem Nebensatz zur Zuverlässigkeit der SPD. Hier spielte natürlich auch die „Familien Konferenz“ des compact-Verlages im November eine Rolle.

Im Februar stellte selbst BILD fest, „Wir sind nicht mehr Papst“. Benedikt trat zurück und ich konnte die Aufregung nicht verstehen, begrüßte die Entscheidung aber. Wenn auch aus eigenen Gründen.

Die Beschäftigung mit der Biographie meines Vaters und dem Sprachmittlerberuf in der DDR zog sich durch das erste Halbjahr, aber im März war der 90. Geburtstag. Eigentlich sollte das Buch da fertig sein. Wird eben später.

Im April war Ruhe, es starb the witch und wie schon des Öfteren beschäftigte ich mich mit Europa und den Menschenrechten.

Der Wonnemonat Mai war ein fauler Monat, ja ja die Frühlingsgefühle, aber die lost generation ließ mich doch auf der Tastatur klimpern. Wie oft gegen die allgemeine Meinung.

Zur Jahresmitte, im Juni, ging es dann richtig los. Zwischen zwei Artikeln zur Demokratie geschah etwas Unglaubliches. Ein Mann veröffentlichte Dokumente der NSA die zeigten, dass wir alle überwacht werden. Und ich zweifelte seine Motive an. Auch heute kann ich mich nicht dafür entschuldigen. Wer konnte ahnen, dass die NSA so eine miese Datensicherheit hatte.

Im Juli 2013 schrieb ich über meine ungewollte berufliche Neuorientierung und begann mich mit der „Überwachungsthematik“ zu beschäftigen. Nach wie vor stehe ich dazu, dass wir eigentlich nicht davon überrascht sein dürften. Literatur und Fernsehen hatten uns ja schon darauf vorbereitet.

Ab August war Wahlkampf. Ich hatte mich bereits entschlossen wen ich wählen würde, äußerte mich aber noch nicht eindeutig. Natürlich stand das Thema Überwachung ganz vorn, aber auch zum Thema innerstädtische Verkehr musste ich meinen Senf dazu geben. Zum Jahresende kam ich nochmals darauf zurück. Am Ende des Monats konnte schon jeder lesen wen ich wählen würde. Und immer wieder die Frage der Demokratie und auch schon die „Asylproblematik“.

Der Wahlmonat September stand natürlich unter der Wahl-Thematik. Meine Vorstellung „Wir brauchen ein Parlament welches Monarchen gern verbieten würden“ sollte ausdrücken, dass bei der Wahl eben nicht eine Regierung sondern ein Parlament gewählt wird. Schade, hat nicht geklappt. Am Tag vor der Wahl habe ich dann auch endlich meinen Kandidaten aufgesucht. Ganz für mich habe ich dann die Wahl 5 Tage danach analysiert und musste feststellen, dass sich nichts geändert hat. Merkel blieb Kanzlerin „Weil sie eine gute Mutti ist“, wie ein Bekannter sagte. Die Wahlthemen der „Verlierer“ konnten einfach nicht ausreichend kommuniziert werden. Der Beginn der Verhandlungen zur Regierungsbildung sah schon wie das Ergebnis aus. Der Artikel „Wenn ein Hund gegen einen Hydranten pinkelt“ wurde missverstanden. Er sollte ausdrücken, dass nicht die Geheimdienste das Problem sind sondern die Regierungen. Was solls?

Zeitgleich mit meinem Mitgliedsantrag schrieb ich Anfang Oktober einen Abgesang auf die Piraten. Natürlich nur über das Anstimmen desselben durch die Medien. Als Tom Clancy starb, starb mit ihm ein Schriftsteller der schon lange über die neuen Formen der Überwachung geschrieben hatten. Allerdings stimmte er dieser zu. Seine Bücher waren eine Quelle für Informationen. Ich habe ihn des Öfteren zitiert. Ansonsten war der Oktober den Themen Umgang mit Anderen, Diskussionskultur und der Privatsphäre gewidmet. Natürlich auch dem Flüchtlingsdrama und der DDR-Vergangenheit. Auf den Brief an Angela Merkel habe ich natürlich keine Antwort bekommen. Schade eigentlich.

Über November und Dezember brauche ich nicht viel zu schreiben. Privatsphäre, GroKo, Mindestlohn, Hartz IV und eine persönliche Geschichte waren die Hauptthemen.

Wisst ihr was?

Ich freue mich auf 2014.

Aber nur wie Karl Valentin auf den Regen.

„Ich freu mich wenns regnet. Wenn ich mich nicht freue regnets ja auch.“

Also:

Ich freu mich, dass 2014 kommt. Wenn ich mich nicht freue kommt es auch!

Also, bis nächstes Jahr.

No more mr nice guy,

oder warum ich schreibe, wie ich eben schreibe.

Der Song von Alice Cooper ist in meinem Ohr, wenn ich bemerke, dass mich jemand in eine politische Schublade steckt.

Natürlich habe ich mich, was meine Sympathien bei der Bundestagswahl betrifft, positioniert. Was heißen soll, ich habe dies geäußert – sogar öffentlich.

Das ist aber kein Grund für mich auf irgendeine Linie einzuschwenken und es jemandem recht zu machen. Ich bin eben kein „netter Kerl“.

Also, wer Probleme mit meinen Meinungen hat, der möge daran denken, dass ein Motto von mir ist

Ich wage es zu Allem meine Meinung zu haben. Ich wage nicht zu behaupten, dass eine davon wahr ist. [Ich]

Das ist einer der Gründe, warum ich hier meine Meinung äußere und mich weniger den Meinungen anderer anschließe. Auch auf die Gefahr hin, dass ich je nach Thema in den verschiedensten Ecken des politischen Spektrums lande. Einem „Mr. Nice Guy“ würde das nicht passieren.

Nach meinen Ergüssen zum Demokraten, wohlgemerkt dem selbsternannten, wurde ich in einem virtuellen Gespräch gefragt, ob für mich die „unveräußerlichen Menschenrechte“ aufdiktiert wären. Sind sie für mich nicht, die Frage betrachte ich eher als absurd.

Die Frage die sich mir stellte war doch ganz einfach.

„Wie viel Volk verträgt der Demokrat?“

Also, vom Ausgangspunkt her betrachtet, der so genannte.

Hier kommen wir nun zu dem Volk, den Asylanten und des Deutschen scheinbar liebster Lektüre – der BILD.

Es scheint, als ob im Untergrunde Deutschlands an allen Stellen eine Population von Nazis wuchert, die nur darauf wartet erweckt zu werden. Erwecken kann man diese wenn man ein Asylbewerberheim baut oder „in Betrieb nimmt“. Dann kommen sie aus allen Löchern hervor. Wie gesagt, es scheint so.

Die „Größte Deutsche Tageszeitung“ schilderte nun gestern das Problem aus ihrer Sicht. Meine Beschäftigung mit BILD wurde schon mehrfach kritisiert, aber man muss mit dem arbeiten was die Leute lesen. Nicht mit dem was man gut und lesenswert findet.

Da gab es gestern also einen “Asyl Report Deutschland“ *, ein hoher Anspruch der natürlich nicht erfüllt werden konnte.

Interessant dabei die Bemerkung in der Headline „Es gibt zu wenig Unterkünfte“ und im Teil 3 „Bramsche – vielleicht ist dies der deutscheste Teil Deutschlands“.

Das Erste ist nicht das Problem, das Zweite eine Unterstellung.

Warum nun gehe ich gerade auf diese zwei Punkte ein?

Es gibt zu wenig Unterkünfte? Ganz falsch!

Es unterstellt nämlich, dass die Art der Unterbringung schon ganz in Ordnung ist. Es würde sich mit mehr Objekten der Käfighaltung etwas ändern.

Der Deutscheste Ort Deutschlands? Im Kontext – ein Nazi Biotop!

Ebenso falsch, richtig wäre ein normaler Ort in Deutschland. Auch der Bezug auf die Varus-Schlacht macht die Behauptung nicht besser.

Jetzt mache ich aber diesen Report zu und sage meine Meinung.

Ich bin gegen Asylbewerberheime! Neue wie alte!

Warum?

Weil sie nicht ein Teil des Problems sind, sie sind das Problem. (nicht nur sie)

In der heutigen Struktur bereiten sie die zukünftigen Mitmenschen (in der Form von Mitbürger gemeint) auf das Leben im Ghetto vor.

Sie bereiten sie darauf vor, sich hinter die „schützenden Mauern“ des Ghettos zurückzuziehen, weil sie außerhalb nicht erwünscht sind.

In ihnen wird eine Wartezeit verbracht, sinn- und zwecklos, für die ich hier das Wort Käfighaltung verwende. Sie werden gefüttert und gekleidet – mehr nicht. Sie warten lange und gewöhnen sich daran.

Was ist falsch? – Es nimmt ihnen die Würde!

Die meisten dieser Menschen (ja, ich vertrete die Idee der universellen Menschenrechte!) kommen aber nicht deshalb zu uns.

Wenn sie kommen, wollen sie etwas tun – wir lassen sie aber nicht.

Wenn sie lange genug gewartet haben, endlich bemerkt haben dass wir sie nicht wollen – dann lassen wir sie frei.

Zu spät, wir haben sie ans Leben im Ghetto gewöhnt, haben ihnen gezeigt dass sie dort hin gehören.

Nun zu Bramsche, 600 Asylbewerber in diesem Ort unter diesen Bedingungen sind auch für den ihnen positiv gegenüberstehenden Bürger ein Problem.

Mit der heutigen Asylpolitik und den Asylbewerberheimen schaffen wir dieses, mit jedem Heim ein Stück mehr.

Wir schaffen unsere Nazi-Population und können uns dann genüsslich im vermeintlich braunen Sumpf suhlen und diesen als das Problem darstellen.

Nur, die Braunen waren daran, an den Ursachen, nicht beteiligt.

Es waren Schwarze, Rote und Grüne! Diese waren und sind in den Regierungen.

Die Lösung?

Ich habe keine, nur Gedanken.

Unterbringung in kleinen Wohngruppen, weitgehende Aufhebung von Mobilitätsbeschränkungen, schnelle Bearbeitung der Asylanträge usw.

Ganz klar, die Aufhebung des Generalverdachtes gegen die Asylbewerber.

Vor Allem aber Folgendes:

Lasst sie teilhaben – sie wollen es!

Gebt ihnen etwas zu tun – sie sind nicht faul!

Lasst ihnen ihre Menschenwürde!

P.S. Es stellen sich mir  natürlich einige Fragen. Warum werden Asylbewerberheime immer in Problemvierteln gebaut? Vielleicht weil die Käfighaltung dort nicht so auffällt?

Warum werden die sog. Nazis durch die Presse zwar bildlich dargestellt, aber man erfährt nie ob es sich um einen „reisenden Propagandisten“ der Szene oder einen Anwohner handelt?

Gleiches gilt für Gegendemonstranten, wie viele davon sind Anwohner, wie viele Propagandisten aus „Asylbewerber-freien-Gebieten“?

Ich bin eben kein Nice Guy!

* beim verlinkten Artikel muss man die beiden Teile mitlesen um einen Überblick der Print-Ausgabe zu erhalten. Natürlich gibt es den Asyl-Report der Bundesregierung, hier geht es aber um Seite 7 der gestrigen Print-Ausgabe.

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